Unter Fremdkörpern und Rassisten

Platen

Klonovskys Aphorismus, früher habe man jemanden als „Rassisten“ bezeichnet, der der Meinung war, schwarz sei schlecht, und heute bezeichne man jemanden als „Rassisten“, der sage, schwarz sei schwarz, wird gelegentlich von anachronistischen Rassisten Lügen gestraft, die heute noch annehmen wollen, schwarz sei schlecht.

So geschehen in einem klassischen Beispiel für Gruselautosuggestion (Sie kennen das Insbettbringgefühl als Kind, nochmal und nochmal die Sage mit dem Zyklopen hören zu wollen, nicht wahr?) in der Frankfurter Rundschau vom 27.9.2018.

Die Autorin fürchtet sich vor mir, da ich „Fremdkörper“ gesagt habe, nicht nur gesagt, sogar geschrieben. Der Grund für ihren Grusel ist allein dadurch erklärbar, daß sie annimmt, ein „Fremdkörper“ sei minderwertig, eliminierenswert, zum Aussortieren, gar zum Tode bestimmt, und was einem sonst noch so alles in den Sinn kommt, wenn man sich in die grusligsten Zeiten der Geschichte wohlig zurückversetzt.

In Pakistan wäre ich ein Fremdkörper, in China auch, und in Schwarzafrika erst einmal! In den USA hat eine koreanische Mama unserem einen Sohn übers Haar gestreichelt und gefragt: „Did your husband also have golden hair when he was young?“ – gleich zwei Fremdkörper mit einem Streich. Genauso bin ich einer unter aalglatten Banker-Gespielinnen und -gattinnen, unter meinen Identitären (ein separater Seniorenstammtisch wäre da mal eine Überlegung wert, das Deutschesein paßt scho‘) und innerhalb meiner Kirchengemeinde (da bin ich fremder als eine kürzlich konvertierte Afrikanerin samt Familie). Es ist paradox, ich weiß, aber: Fremdkörpersein gehört dazu.

Die wirkliche „Rassistin“ ist Katja Thorwarth – ihr gruselt es beim Wort „Fremdkörper“, mir nicht. Der Duden definiert: “ Sache oder Person, die in ihrer Umgebung fremd wirkt, nicht in sie hineinpasst“, und, separate Bedeutung in Biologie und Medizin: „etwas, was von außen in einen Körper, Organismus eingedrungen ist“. Sollte Frau Thorwarth am Ende einen ganz aus der Gegenwart gefallenen „Biologismus“ pflegen?

Fremdkörperfeindlichkeit, Xenosomatophobie, schließt alles aus, das nicht „als besonders wertig mystifiziert“ (Thorwarth) wird. Es ist nicht zu fassen, welchen Rassismus sie uns als Journalismus verkauft. Ihre Wertmystik graut mich im fremdverwandten Busen.

(Zitat oben: August v. Platen, 1820)

 

 

Ein Gedanke zu “Unter Fremdkörpern und Rassisten

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