Merseburg oder „Maybe the raven stole it from the servant“

Den Merseburger Dom hofseitig besichtigt. Etwas Deutscheres läßt sich schwerlich finden. Im 16. Jahrhundert wurde der romanische Dom als Flügel des Merseburger Schlosses errichtet, später gotisch überformt. Aus dieser Zeit (1668) stammt, so liest man, auch die Supraporte am nördlichen Querschnitt.

Ich wußte nicht, wer der Schlafende ist, das Spruchband verriet nur, daß er an diesem heiligen Orte liegt. Wikipedia schreibt über jenes Türrelief, daß es

… einen erwachenden Mann in orientalischem Gewand auf einem Ruhebett zeigt.

Unten im Eck findet sich ein Rabe mit einem Ring im Schnabel.

Die älteste Version der Merseburger Rabensage von 1668 lautet:

Von diesem Bischof Thilo von Trodte ist unter dem gemeinen Mann eine gemeine Rede gewesen, als wenn er einsmahls Cammer-Diener darumb, daß ihm seinen Pitzschier-Ring entführet haben solle, hinrichten laßen, welches sich aber nach etlichen Jahren anders befunden, indem ein Schiefer-Decker solchen Ring in eines Raben Nest auf dem Thurm innen an der Domkirchen gefunden, weswegen solcher Bischof hernachmahls solche That an seinem Diener soll sehr bedauert, und zum steten Andenken einen Raben mit einem Ring im Schnabel in seinem Wappen geführet haben.

Der Bischof hatte den Diener hinrichten lassen, des Diebstahls seines Ringes überführt, der sich allerdings später in einem Rabennest am Turm fand. Ich spazierte in guter Gesellschaft nach der Magdeburger IfS-Tagung (hier entlarvendes Antifa-Bildmaterial) durch den Hof, Jared Taylor sagte, als wir ihm die Rabensage übersetzten, typisch sophisticated: „Maybe the raven stole it from the servant ....“

Merseburg ist auf bizarre Weise umgevolkt. Wir fuhren durch das Städtchen, und wurden zuerst einer Gruppe traditionell gekleideter Afrikanerinnen ansichtig, danach bog unser Auto in eine Straße namens „Hölle“, wo gleich mehrere „Gruppen“ (seit Klonovskys Tagebucheintrag benötigt „Gruppen“ keine nähere Bestimmung mehr) lungerten und ganz kleine Kopftuchmädchen, vielleicht achtjährig, spielten. Halal-Shops und Herrenbarbiere, Aufschriften auf den Schaufensterscheiben nur mehr auf Arabisch.

Der Erwachende in orientalischem Gewand.

Der Sage nach ließ Bischof Thilo von Trotha als Mahnung, kein Urteil im Jähzorn zu fällen, im Schlosshof einen prächtigen Vogelbauer errichten ließ, in dem seitdem ein Kolkrabe für den Diebstahl büßt.

Doch gesetzt den Fall, der Rabe hatte den Ring vom sehr wohl diebischen Diener gestohlen, ist dieser zurecht hingerichtet worden. Niemals im Jähzorn zu urteilen – wer büßt womöglich für eine Lüge?

Den Domhof verließ ich nur ungern. Was Moral aus Geschichten anbelangt, bin ich unrettbar dem Zweifel verfallen, ich glaub einfach keine mehr. In Merseburg legte sich noch eine zweite Schicht Zweifel obendrauf, und diese war nicht symbolisch, sondern stach in die Augen.

P.S. Mir schrieb jemand heut: „Deine Rabengedanken sind reine, hyperaufgeklärte Häresie!“ Und verwies auf dieses Lied:

Noch eine Schicht Zweifel obendrauf.

 

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