Viel hybrider als die Eisenfaust

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Gewöhnlich muß es mich nicht kratzen, wenn jemand andere Musik mag als die Identitären, und die Musik, die die Identitären hören, bescheuert findet. Anders liegt der Fall, wenn derjenige steile Thesen aufstellt, weshalb die Musik, die die Identitären hören, ein philosophisches Begründungsproblem aufwirft. Dann werde ich hellhörig.

Jens Balzer wirft in der ZEIT der IB vor, entweder nur bündische Lieder wie „Die Eisenfaust am Lanzenschaft“ zu singen (Vorsicht! Homogenitätsgefahr!), oder sich mit dem Rapper „Komplott“ in andere musikalische Gefilde wie den Rap vorzuwagen (Vorsicht! Durchmischungsgefahr!) Ja was ist denn nun schlimmer?

Popkultur ist ihnen mentalitätsgeschichtlich prinzipiell fremd, denn sie speist sich wesentlich aus Hybridität. Ohne die grenzenlose Zirkulation von Zeichen und die Vermischung von kulturellen Traditionen ist Pop nicht denkbar; es gibt im Pop nichts Eigenes, das nicht konstitutiv auf ein Anderes verweist.

Nun, daß es nichts Eigenes gibt, das nicht konstitutiv auf ein Anderes verweist, ist zweifellos wahr. Im Pop heißt Hybridität, daß Zeichensysteme auf Zeichensysteme verweisen. Es handelt sich, da Pop ein Kulturphänomen ist, um kulturelle Einflüsse von Texten auf Texte, Bildern auf Bilder etc. Es verhält sich bei der Popmusik strukturell genauso, wie Nietzsche von den französischen, spanischen und englischen Moralisten Versatzstücke, Motive und Bilder übernommen hat, nur um mal ein mir naheliegendes Beispiel zu nennen. Oder wie die Wiener Küche kaum etwas „Eigenes“ hat, sondern alles irgendwoher stammt, aus Böhmen, Italien, Ungarn, Frankreich usw. usf., aber – und das ist doch der Witz bei der Sache – das Eigene ist dann doch eigen, arttypisch, lokal unverwechselbar und erhaltenswert. Topfengolatschen und Fiakergulasch sind eben nicht dasselbe oder ohne Verlust zu ersetzen durch McDoof oder Baklava und Döner.

Insofern ist die Pop-Hybrid-These banal (siehe Moralistik- und Küchenbeispiel), oder falsch (Vermischung von Zeichen ist eben nicht dasselbe wie der Große Austausch). Hybridität“ heißt nicht Vermischung der Leute.

Das Reizvolle bei den Identitären ist doch gerade, daß wir sowohl auf verschüttetes (vor allem bündisches) deutsches Liedgut zurückgehen, als auch bestimmte andere Musikrichtungen (Neofolk, Synthwave, Rap, Arbeiterlied, Liedermacherballade, was auch immer) kapern, als auch alle mögliche Popmusik gutfinden, die eben ein Lebensgefühl ausdrückt (Leonard Cohen, Johnny Cash, David Bowie etc., Martin Sellner findet sogar Money Boy und Yung Hurn gut), das an bestimmten Punken an unseres anschließt. Eklektizistisch halt, postmodern, wenn man so will. Wir können gar nicht anders, als Kinder der kulturellen Globalisierung zu sein und uns ihrer Elemente zu bedienen.

Entscheidend ist dabei das Moment der bewußten Wahl. Wenn Identitäre Musik hören, denken sie sich etwas Politisches dabei. Das unterscheidet sie von allen Pop-Konsumenten. Für die Wahl ist entscheidend: nicht Mainstream, Disco und Dancefloor, MTV-Programmschleife und Youtube-Klick-Hits. Weil die Musik flach ist, und auch, weil darin Ideale, Modelle, Typen angepriesen werden, die für Globalisierung und Identitätsverlust stehen (im Sommer lief dauernd ein Lied im Radio, dessen Text nichts Gutes verhieß: „I’ve got no roots but my home was never on the ground“).

Es gibt im Pop unglaublich viel, das auf unser Eigenes verweist. Mit Jim Goads Diktum

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gesprochen: der ZEIT-Musikliebhaber glaubt anscheinend wirklich, daß wer die Totalhybridisierung aller Zeichen, Waren und Menschen ablehnt, im völkischen Männerbund vereinsamt.

P.S. Die „Eisenfaust“ fetzt wirklich. Und die identitären Frauen werden immer mehr.

Hausaufgabentips für Schüler: der Gegen-Rechts-Roman

Liebe Schüler!

Ihr habt als Hausaufgabe, Abschlußarbeitsthema, Referat oder Bestandteil der Lektüreliste also einen neuen oder ziemlich angestaubten Roman „gegen Rechts“. Und Ihr habt ein Problem. Das Problem sieht so aus: es ist Euch längst einigermaßen klar, was die Botschaft des Buches ist, was „uns der Autor damit sagen wollte“. Nur: Euer Lehrer hat das Buch genau deshalb ausgewählt, weil er Euch diese Botschaft reindrücken will, und das geht Euch gegen den Strich.

Was soll man in einer solchen Lage tun? Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten.

Entweder der Lehrer kann Kritik vertragen, kennt Euch inzwischen schon als ewige Querulanten und Besserwisser, es ist also eh schon egal, und es wirkt sich nicht auf die Note aus. Dann folgt dem Pfad: Argumente gegen Propaganda.

Oder Ihr müßt vorsichtig sein. Der Lehrer und/oder die ganze Klasse ist knalllinks, und mit Kritik an diesem Buch gefährdet Ihr mindestens eure Deutschzensur, wenn nicht gar den Verbleib auf Eurer Schule. Da bleibt Euch nur übrig, dem Pfad: gespaltenes Bewußtsein zu folgen. Diesen Ausdruck hat der Historiker Hans-Dieter Schäfer für das Leben im 3. Reich geprägt, die Leute wußten genau, was man sagen darf, und was man nur denken darf. Aber auch beim „gespaltenen Bewußtsein“ hilft es, erst einmal für sich zu erkennen, warum es sich um Propaganda handelt.

Also, Pfad 1 – Argumente gegen Propaganda.

Man erkennt, daß ein Buch (auch: ein Film, ein Comic, ein Gedicht oder ein Kunstprojekt) linke Propaganda ist, wenn folgendes vorkommt oder erkennbar ist:

  • es spielt in der Gegenwart oder in einer möglichst horrormäßig ausgemalten nahen Zukunft. Zum Roman „Roh“ von Ulf T. Swidler schreibt der Verlag auf der Rückseite des Buches:  „Ein erschreckendes Albtraumszenario, das angesichts des weltweiten Aufschwungs rechtspopulistischer Kräfte schon bald Realität werden könnte.“ Der Stil hat viele wertende Adjektive wie „beklemmend“, „gefährlich“, „dunkel“, „leer“, „wirr“, „dröhnend“, „hart“ usw..
  • es hat Elemente eines „Schlüsselromans„. Ein Schlüsselroman verändert Namen von realen Personen, Orten, Parteien, Abkürzungen von Gruppennamen nur leicht, sodaß man ohne viel Nachdenken entschlüsseln kann, wer „Jörn Böcke“ (=Björn Höcke, AfD-Politiker), oder eine „Deutsche Alternative Partei“ (AfD-Schlüsselname) oder „Nationale Bewegung“ (=Identitäre Bewegung) sind. Je blöder die Namensgebungen, desto sicherer: Propaganda.
  • es ist klar, wer der gute Held und wer der böse Schurke ist. Oft gibt es ein ziemlich künstliches inneres Drama im Heldenherzen, z.B. kann sich ein Jugendlicher nicht zwischen seinen rechtsgerichteten Fußballkumpels und dem schönen Flüchtlingsmädchen entscheiden. Gut und böse sind sauber verteilt auf politisch links und rechts.
  • das Buch gibt keinen Spielraum zum Nachdenken. Ein „offenes Kunstwerk“ (so hat der Schriftsteller Umberto Eco, der „Der Name der Rose“ geschrieben hat, gute Bücher charakterisiert) läßt dem Leser oder Zuschauer immer mehrere Möglichkeiten, welchen Sinn es geben könnte, wer gemeint ist, ob es ironisch ist, auf welche anderen Bücher es anspielt oder was für Motive die Figuren haben. Ein geschlossenes Kunstwerk legt nur eine Spur. Ein Beispiel für ein offenes Kunstwerk, das sehr wohl eine politische Machtübernahme und die langsame Veränderung der Menschen und den mutigen Kampf gegen die neue autoritäre Schulleitung usw. erzählt, ist Harry Potter Band 5. Man kann das Buch linksherum und rechtsherum und auch völlig unpolitisch lesen.
  • es schürt Angst vor „den Rechten“, und dies mit einem besonderen Trick: einerseits ist es total konkret, es gibt echt wirkende Menschen, Gespräche, Jugendsprache, Liebesszenen, genaue Beschreibungen von Treffen oder Gedanken. Weil man als Leser nun so reingesaugt wird, und es alles so echt erscheint, hält man das Buch für „total realistisch„. Aber andererseits ist die Bedrohung, die von den „Rechten“ oder den „neuen Machthabern“ im Buch ausgeht, ganz und gar unkonkret (Kinder verschwinden, jemand hat plötzlich nicht mehr seine eigenen Gedanken) oder ganz plump (die „Rechten“ ritzen einem Mitschüler ein Hakenkreuz auf die Stirn, klar, logisch, machen Rechte ja ständig, sind ja Nazis).
  • der Leser identifiziert sich viel zu leicht. Was das betrifft, sind Propagandabücher so einfach wie Kinderbücher und -filme. Wer hält schon NICHT zu den Jedis oder zu Harry Potter? In linken Propagandabüchern ist der Held so gut wie IMMER ein Ausgegrenzter, „irgendwie anders“, und hat Probleme, aber er tritt gleichzeitig für „die Freiheit“ oder „das Menschliche“ ein und bekommt deshalb doppelte Sympathiepunkte.
  • die „schiefe Bahn“ ist typisch für Anti-Rechts-Romane. „Wehret den Anfängen!“ ist die Logik, denn: was heute noch normal, demokratisch gewählt, eine kleine Randerscheinung ist, kommt ins Rutschen, wird immer größer und ergreift bald die Macht. Das Modell ist immer das Jahr 1933, als die NSDAP die Mehrheit der Wahlstimmen bekam und dann die Macht ergriff. Dem Leser wird vermittelt: er hat die geheimen Strukturen erkannt, wenn er diese Botschaft aus der Lektüre mitnimmt.

Wenn Ihr solche Merkmale gehäuft erkannt habt, handelt es sich ziemlich sicher um Anti-rechts-Propaganda.

Nun zu den Argumenten.

1. Genau die beschriebenen stilistischen Merkmale benennen. Das „Horrorszenario“ wird durch die Adjektive so und so und so … usw. hervorgerufen. Manchmal gibt es auch einen schönen Kontrast zu einer heilen Welt, die in entsprechend rosigen Worten ausgemalt wird. Wörterlisten helfen dabei!

2. Ein „Schlüsselroman“ muß nicht Propaganda sein, es gibt auch unpolitische oder gegen bestimmte Personen gerichtete (z.B. war Martin Walsers „Tod eines Kritikers“ konkret gegen den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki gerichtet). Andersherum wird ein Schuh draus: leicht durchschaubare Verschlüsselungen sollen den Leser mit dem Zaunpfahl in die richtige Richtung winken: Leute, alle mal herschauen, es geht um diese gefährliche Partei. Auf platte Verschlüsselungen aufmerksam machen und darauf, daß es keine Kunst ist, hier irgendwas zu „durchschauen“.

3. Einfache gut/böse-Zuordnungen sind etwas fürs Märchen. Genau das müßt Ihr benennen, folgende Figurenbeschreibungen helfen vielleicht: x ist der unschuldige Held, gehört zur unterdrückten Minderheit, ist das Mobbingopfer, der Rächer der Entrechteten. y ist der der heterosexuelle weiße Mann mit den markigen Sprüchen, die Gruppe mit der knallharten autoritären Hierarchie („Nach oben buckeln, nach unten treten“), der Manipulateur. Ein „Manipulateur“ ist eine sehr typische Figur im Gegen-rechts-Buch: das ist jemand, der mit einem oder mehreren anderen nur spielt, sie verführt oder verarscht, um selber Macht zu gewinnen über sie. Oft wird auch mit den Begriffen Opfer und Täter gearbeitet: die „Rechten“ tun immer so, als wären sie Opfer, in Wirklichkeit sind sie sowieso die immer die Täter. Hier hilft Euch der Begriff „Opfer-Täter-Umkehr“ weiter. Beispiel: die „Rechten“ sagen, sie müssen sich wehren, weil sie zur Minderheit im eigenen Land werden. Im Buch wird das so dargestellt, daß sie deswegen Ausländer hassen und Gewalt anwenden, also Täter sind. Nur: ihre Beobachtung, daß sie wirklich zur Minderheit werden, ist ja real. Diejenigen, die dafür eintreten, daß die Einheimischen zur Minderheit werden, sind die wirklichen Täter. Man kann also die Täter- und die Opferrollen umkehren.

4. Ihr könnt, gerade wenn Ihr das Buch auch beurteilen oder Eure Meinung formulieren sollt, auch einschätzen, ob es ein gutes Buch ist. Dazu dient die Unterscheidung „offenes Kunstwerk“ (mit viel Interpretationsspielraum) und „geschlossenes Kunstwerk“ (es gibt nur eine Deutung). Merkt Euch: man kann endlos in dem Stil schwafeln: „Generell ein Buch, das zum Nachdenken anregt, vor allem aber auch in der heutigen Zeit wo wir durch Parteien, Terror, Krisen und Rassismus alles selber mitbekommen. Politik geht einfach jeden etwas an“ usw. – das ist aber alles ein und dieselbe Aussage. „Nachdenken“, „kritisch denken“, „Aufstehen“, „Zivilcourage zeigen“, „sich engagieren“, „rechtes Gedankengut entlarven“ heißt immer nur stumpfsinnig dasselbe: sagen, daß rechts böse und links gut ist. Kritisches Denken gelingt, wenn man aufzeigen kann, wie billig diese Pseudo-Kritik eigentlich ist. Wenn die ganze Klasse dieselbe „Gesellschaftskritik“ als Botschaft des Buches herausgefunden hat, ist es ein sicheres Zeichen für unkritisches Denken.

5. Den Trick konkret am Buch beschreiben: Wodurch wirkt es realistisch? Wer wird wie dargestellt? Die Darstellungsebene ist der Hebel, an dem Ihr den Trick zu fassen bekommt. Hilfreiche Sätze: „x wird positiv dargestellt“, „man fühlt mit ihr“, „der Leser kann nachvollziehen, warum sie so handelt“, „dadurch ergibt sich der Effekt, daß der Leser denkt …“, „die Darstellung des Jungen bewirkt beim Zuschauer“, „man wird dazu gebracht, zu glauben“, „der Leser wird manipuliert“. Und dann: wodurch wird es bedrohlich? „Schwammig“ ist kein guter Ausdruck. Besser sind: „diffus“, „plakativ“, „verallgemeinert“, „pauschal“, „holzschnittartig“, „Schwarz-Weiß-Malerei“, „Szenario“, „es entsteht ein Bild, das …“, „suggestiv“, „psychologisch geschickt“, manchmal aber auch echt „psychologisch ungeschickt“.

6. Das Identifizieren nicht mitmachen. Statt „Man fühlt mit“ oder „der Leser empfindet“ oder „bald wird klar“ oder „wir müssen uns bewußt werden“ usw. klar ansprechen, daß Ihr selber nicht dazugehört zu den Lesern, auf die das Buch den gewünschten Effekt hat. Also: „Der Leser soll …. denken, aber ich denke eher …“; „Man soll dazu gebracht werden, mit dem Mädchen mitzuempfinden, aber ….“, „Das Buch suggeriert, daß ….“; „Der Autor will, daß der Leser …“.

7. Mit dem Schiefe-Bahn-Argument bekommt man unter Garantie eine gute Note auf die Buchbesprechung zum Anti-rechts-Roman. Wer erkannt hat, daß das Gruselszenario im Buch „auch uns heute betrifft“ und wir „die Zeichen rechtzeitig erkennen“ und „den alltäglichen Rassismus/ die alltägliche Ausgrenzung/den neuen Faschismus“ usw. „im Kleinen“ oder „immer wieder neu“ bekämpfen müssen, hat die Lektion gelernt, ein braver Mainstreammitschwimmer zu sein. Wie kann man da gegenanschwimmen? Ganz einfach: indem Ihr genau das von außen oder von oben oder als Beobachter, den das fürchterlich nervt, beschreibt. Also: in Eurem Text schreiben, daß es ein „Schiefe-Bahn-Argument“ ist, daß der Text nur eine einzige Interpretation nahelegt, daß er die Welt schwarzweiß zeichnet, daß er den Leser manipulieren will und zu Pseudo-Kritik erziehen will. Kurz: daß es Propaganda ist, Gesinnungskitsch, politische Märchenstunde oder Ideologie.

Und zuguterletzt noch der Pfad für diejenigen, die mit gespaltenem Bewußtsein durch die Schule gehen müssen. Ihr könnt dem Lehrer eben nicht hinklatschen, daß das Propaganda ist. Auch die Tips unter Punkt 6., zu schreiben daß Ihr nicht mitmacht, laufen bei Euch nicht. Es gibt für Euch zwei Möglichkeiten:

  • So dermaßen übertreiben, daß es nur Satire oder Lehrerverarschung sein kann. Man kann sich darin perfektionieren, Gesinnungskitsch zu schreiben. Dann müssen viele wertende Adjektive vorkommen wie „aufrüttelnd“, „verstörend“, „angstmachend“, „rassistisch“, „fremdenfeindlich“, „krude“, „dumpf und dunkel“, „Haß“, „Hetze“ und natürlich „Hitler“, auch mehrmals „faschistisch“, „neofaschistisch“ und dann nicht mir psychischen Betroffenheitsreaktionen sparen „an der Stelle mußte ich weinen“, „ich hab echt gespürt, wie sich eine Diktatur anfühlt“, „ich hab oft Angst um …“. Auf diese Weise schreibt man, was der Lehrer hören will, kann aber vor sich selber geradestehen, weil der Aufsatz reine Ironie ist. Aufpassen, daß es nicht zu schmalzig wird, sonst fliegt diese Methode auf! Wer Kitschproduktion nicht schafft oder mag, kann womöglich beim Entlarven richtig schön übertreiben. Da braucht Ihr dann Vokabeln wie „versteckt sich hinter der Fassade“, „betreibt Mimikry“, „erst auf den zweiten Blick erkennt der Leser die vielen Hinweise auf die Realität“, „der Politiker xy im Roman ist eine gekonnte Persiflage auf den wirklichen … und seine bösen Machenschaften“ oder „Nach der Lektüre des Buches erkenne ich jetzt immer, wo Rechte ihr Unwesen treiben und wie ich mutig zu den Linken halten kann“.
  • Punkt 5 starkmachen. Keiner kann Euch etwas anhaben, wenn Ihr nur die Darstellungsebene beschreibt. „Im Text wird die Partei so dargestellt, daß sie …“, „das Buch beschreibt eine Welt, in der …“, „xy wirkt realistisch, weil, „xy wirkt unrealistisch, weil ….“ usw. Statt immer nur „darstellen“ kann man auch schreiben: „hat den Effekt“, „bewirkt beim Leser“, „soll beim Leser bewirken“, „man bekommt immer mehr den Eindruck“, „entwirft ein Bild“ usw.. Lauter Stilmittel, Darstellungen, Effekte, Methoden den Leser zu beeinflussen und Wörterlisten ganz hölzern und sachlich zu aneinanderzureihen ergibt zwar dann wohl keine Note 1 in „Ausdruck“, ist aber ein Weg, die Wahrheit zu sagen ohne zu bekennen, daß Ihr anders denkt. Und wenn Ihr dann Eure „eigene Meinung“ schreiben müßt? Dann bleibt Ihr auch auf der Beobachterebene: „Man kann imBuch xy gut erkennen, wie politische Romane funktionieren. Die Lektüre hat mir sehr geholfen, Mechanismen zu durchschauen.“ Keiner hat Euch nach Euren Gefühlen gefragt, nur nach Eurer Meinung. Eine elegante Meinung ist sicher auch die, zu schreiben, das Buch zeige die „Polarisierung“ der Gesellschaft, also die Spaltung in links und rechts. Kann Euch kein linker Lehrer einen Strick draus drehen – die Frage, wer die Spaltung in die Gesellschaft reingebracht hat, müßt Ihr ja nicht beantworten.

Waffen, Drast und Kant

Max Goldt fragte sich einmal in einer Kolumne, was eigentlich das Substantiv zu „drastisch“ ist, er erwog den „Drast“ oder vielleicht die „Drastizität“ … jedenfalls kippt Drastik sehr schnell um in Komik.

Ein Artikel auf der Seite journalistenwatch sparte heute nicht mit Drast und bereitete heitere Minuten. Das Thema: Selbstverteidigung mit der Waffe.

Legal käuflich zu erwerben ist alles: Vom rasiermesserscharfen, ein
Meter langen Samurai Schwert, fünfzig zentimeterlangen Bajonetten …

Ich stelle mir bildlich eine Sammlung von vier Dutzend Miniaturbajonetten vor, die einem Fakir Freude machen, bei einer Vergewaltigung jedoch untauglich sind.

Weiter ging es mit anderen Mitteln, sich kunstvoll zu verteidigen:

Das gleiche gilt erst recht für Koch und Küchenmesser. Waffen, die nicht ohne Hintersinn von den Eroberern für die Meuchelmorde eingesetzt werden.

Meuchelmorde mittels eines Kochs sind zumeist Fälle von hinterlistiger Giftmischerei und setzen zu aufwendige Inszenierung voraus, um sich im Straßenkampf als geeignet zu erweisen.

Schließlich zückt der Ratgeber aus seinem mitgeführten Köcher noch eine oder mehrere

spitze Pfeile. Mit einer solchen wurde 1898 die Märchenkaiserin Sisi ermordet. Von einem Anarchisten, einem Vorläufer der heutigen Antifa.

Und wenn das alles nicht hilft, gilt die Maxime:

Nur ein Feigling hat sein Leben verwirkt.

 

Es kostet wirkliche Anstrengung eine zum Lachen reizende lustige Vorstellung zu vertilgen, wenn man sein Gemüth zur Ernsthaftigkeit bringen will. Eine jede Abstraction ist nichts anders, als eine Aufhebung gewisser klaren Vorstellungen, welche man gemeiniglich darum anstellt, damit dasjenige, was übrig ist, desto klärer vorgestellt werde. (Immanuel Kant, Über den Versuch, den Begriff der negativen Größen in die Weltweisheit einzuführen, 1763)

Geht’s wieder?