Performativer Selbstwiderspruch

Ein performativer Selbstwiderspruch hat die Form „Psst! Ich schlafe schon!“: eine Äußerung widerspricht den Bedingungen ihrer Äußerbarkeit.
Wenn Marc Felix Serrao den oberen Text in der NZZ schreibt, und darauf vom SPIEGEL-Redakteur Nils Minkmar wie unten sichtbar zurechtgestutzt wird, handelt es sich um einen lupenreinen performativen Selbstwiderspruch.

Man kann sich nicht nur selber performativ widersprechen wie in dem simplen Schlaf-Beispiel. Hakliger wird’s wenn soziale Bedingungen der Äußerbarkeit eine Rolle spielen.

„Es gibt keine tonangebenden Milieus“. Sprach’s und – gab damit den herablassenden Ton an: „rechter Quatsch“, für den man sich „schämen“ muß, darf nämlich in Äußerungskontexten, in denen Minkmars Milieu, also die Meinungselite, den Ton angibt, nicht geäußert werden.

Die tonangebenden Milieus betreiben unablässiges gaslighting. Als gaslighting wird in der Psychologie ein pathologisches Verhalten bezeichnet, das darauf abzielt, sein Gegenüber systematisch in den Wahnsinn zu treiben. Im Grunde ist das Treiben der Medienelite, der Diskurshegemonen, der Meinungsmacher und -wächter, die verkünden, es herrsche totale Meinungsfreiheit, ein einziges Gaslighting. Was will man jemanden sinnvoll antworten, der lächelnd verkündet, es gäbe doch alle Freiheit dieser Welt, und just dadurch denjenigen, der dies infragestellt, infragestellt?

Gaslighting ist auch, wenn eines der Zentralorgane der »politischen Korrektheit« behauptet, daß »sich kaum Anzeichen für ihre reale Existenz finden« (ZEIT Online, 1. Februar 2017).

Wenn nun ein hochgestellter Vertreter des tonangebenden Milieus dekretiert, es gäbe keine tonangebenden Milieus, widerspricht er nicht nur der Behauptung seines Kritikers. Einer Behauptung zu widersprechen ist kein Gaslighting sondern rationale Kritik. Man mag also sagen, es gäbe keine tonangebenden Milieus, diese Aussage halte ich zwar für falsch, sie ist aber nicht widersprüchlich.

Durch den performativen Widerspruch wird es erst der Hirnfick, der einen verrücktmacht: im Akt des abkanzelnden, herablassenden Tonangebens selber noch behaupten, daß es das, was man gerade vollzieht, überhaupt nicht gäbe. Es ist, als wenn der perverse böse Onkel dem kleinen Mädchen sagt, daß es perverse böse Onkels gar nicht geben darf, denn das wäre ja verboten, und dabei munter …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Gedanken zu “Performativer Selbstwiderspruch

  1. Sehr schöne Analyse! Noch hinzuzufügen wäre der sehr beliebte Trick der MSM et al., Gaslighting durch Hyperdifferenzierung zu betreiben, d.h. durch das Infragestellen z.T. elementarster Begrifflichkeiten der Wahrnehmung („Was heisst denn überhaupt ‚Deutsch‘, ‚Volk‘ etc.?“), mit dem Ziel, rechte Argumentationsmuster als vermeintlich undifferenziert und hirngespinnstig darzustellen. Damit wären wir wieder beim Differenzierung-Abstraktions Tradeoff unseres kürzlichen Kommentaraustauschs auf der Sezessionsseite. Wie entlarvend diese Art des Gaslighting ist sieht man aber allein schon daran, dass Linke dieselben Forderungen nach Differenzierung niemals an sich selbst anlegen indem sie beispielsweise ALLE Rechte bedenkenlos als Nazis bezeichnen.

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