Narzißtischer Dschungel

Das Jugendtheater „Dschungel Wien“ kündigt sein aktuelles Programm an unter dem Titel „Narzissmus heute“ an. Gemeint ist ein Theaterstück ab 11 Jahren, in dem „antike Bilder ins jetzt übersetzt, und der Narzissmus der heutigen Tage beleuchtet“ werden. Die anderen Stücke des Jugendtheaters sind offensichtlich die Illustration dieses Programms:

Für werdende Narzißten ab fünf Jahren bietet der Dschungel die „Suche nach Identität“ an.

Im witzigen und leicht verschrobenen Figurentheater „Der Bär, der nicht da war“ (5+) begleiten wir einen Bären auf der Suche nach seiner Identität. Eine Wiederaufnahme eines liebenswerten Stücks mit toller Musik.

Für Kindergartenkinder ist Identität keine explizite Frage, sondern gegebenes So-Sein durch Mimesis.

Das „Kleine Ich-bin-Ich“

Bildergebnis für mira lobe das kleine ich bin ich

von Mira Lobe ist kognitiv Kindern in dem Alter nicht zu vermitteln, auch wenn es ganz zauberhaft gezeichnet ist, Erstklässler glauben fix, daß „Ich-bin-Ich“ der Eigenname des Tierchens ist und verstehen die Suche nach „sich selbst“ als Irrtum von außen: da weiß der Erzähler oder die vorlesende Mama wirklich nicht, ob das Tierchen ein Nilpferd oder ein Hund ist!?

Identitätszweifel ist ein klassisches narzißtisches Persönlichkeitsmerkmal. Aus diesem früh gesäten Zweifel rührt psychologisch eben keine kritische Reflexion, sondern ihr glattes Gegentei: Überanpassung. Wer nicht weiß, wer er ist, versucht sich an anderen zu orientieren und es ihnen irgendwie mit aller Kraft verzweifelt rechtzumachen. Er wird zum „Normopathen“. Ich nehme an, die Theaterpädagogen des „Dschungels“ haben sich der emanzipatorischen Erziehung verschrieben. Pustekuchen!

 

 „We rule the school“ (13+). In dieser Utopie wird beleuchtet, was passiert wenn es in der ganzen Schule keine Lehrer mehr gibt und die Schülerinnen und Schüler das Sagen haben.

Was für kolossale Narzißten kann man mit diesem Sozialexperiment unter Dreizehnjährigen schon erzeugen! Der Typus des „abhängigen Selbst“ entsteht, folgt man Hans-Joachim Maaz‘ Darstellung unserer „normopathischen Gesellschaft“ genau dann, wenn äußere Freiheit statt Bindung propagiert wird:

Äußere Freiheit kann sogar zur angstvollen Bedrohung werden, wenn das abhängige Selbst die Freiräume nicht zu nutzen versteht und durch die eigene Unfähigkeit eine sekundäre Kränkung erleidet.

 

Junge Narzißten in der Pubertät sind dann soweit, daß sie die „postmigrantische“ Kröte vorbehaltlos schlucken können. Das Migrationsproblem war gestern, sowas von 2015, wir sind doch längst „postmigrantisch“. „Postmigrantisch“ wäre der Zustand einer Gesellschaft zu nennen, die einmal eine Einwanderungsgesellschaft gewesen ist (noch weiter historisch davor war sie nicht einmal das), d.h. in der Eingewanderte den (sozioökonomischen, kulturellen, und Auffälligkeits-) Status des Eingewanderten hatten. Irgendwann reicht den Eingewanderten dieser Status nicht mehr, und sie rufen die Schon-Überwundenheit der Migrationsgesellschaft aus, eben die „postmigrantische“.

Ebenfalls wiederaufgeführt und äußerst empfehlenswert:  „Nirgends in Friede. Antigone.“(16+). Antike trifft auf politisches, postmigrantisches Theater. Gut und heftig!

Die junge Generation kämpft „eher auf der Seite der Machtelite der westlichen narzisstischen Normopathie“ , stellt Hans-Joachim Maaz in seiner kritischen Bestandsaufnahme „Das falsche Leben“ fest, und

es ist schon eine historische Besonderheit, dass die junge Generation nicht gegen das Establishment revoltiert.

Kein Wunder, sie sind gründlich verstrickt im Dschungel des Narzißmus. Die Mädchen da, ans Gitter gelehnt, ihr Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, daß er nichts mehr hält, sind vermutlich bereits des Identitätszweifels voll, äußerlich freie abhängige Selbste, bereit für die postmigrantische Realität.

Ein bißchen Nationalstaat

Das Overton-Window hat ein weiteres Stück Realität freigegeben. Diesmal: den Blick auf den „Nationalstaat“. Als wenn dieser in Frage stünde!? Europa besteht nach wie vor aus Nationalstaaten, alle Verfassungen gründen auf diesen und begründen diese. Doch offenbar ist der Diskurs schon über den Nationalstaat hinweggefegt, sonst bräuchte man nicht scheinmutig „ein bißchen mehr Nationalstaat wagen“, wie die zwei jungen Nationalliberalen im heutigen STANDARD-Kommentar.

Vor allem für die heutige Linke scheinen Begriffe wie Patriotismus, Nationalismus und Rassismus identisch zu sein.

Problem erkannt, doch wie wird es gebannt?

Wer sich vom Aufblühen des neuen Tribalismus eine Überwindung des bösen Nationalstaatsprinzips erhofft, könnte bald eine schlimmere Überraschung erleben.

Das Szenario, das den Autoren vor Augen steht, wäre das einer Kleinstaaterei von regionalistischen Unabhängigkeitsbewegungen, sie nennen es „neuen Tribalismus„, und schreiben ihn der Linken zu, aus deren Spektrum viele „Separationsbestrebungen wie in Schottland oder Katalonien“ unterstützten. Das muß eine wirklich ganz alte Linke sein, die hier als Negativfolie ausgegraben wird – „Solidarität mit dem Befreiungskampf der Völker“ hatten wir schon länger nicht mehr am Tableau.

„Tribalismus“ ist auch die Negativfolie von Martin Sellners Argumentation gegen die „ethnische Wahl“: das Selbstverständnis der Eroberer ist nicht „nationalstaatlich“, sondern ihr Ausgreifen legitimiert sich über Stammeszugehörigkeit. Tribalismus ist in diesem Sinne nicht politisch, sondern regressiv. Wenn sich Völker nur über ethnische Zugehörigkeit definieren, unterlaufen sie die Moderne.

Soweit stimmen Grischany/Schöllhammer und Sellner überein, was ersteren vermutlich nicht recht wäre. Deshalb fahren sie auch eine sorgfältige Absicherungsstrategie, und die geht so:

+ Nigel Farage (als Inkarnation des „Nationalismus“) hat leider ein bißchen übertrieben, aber man wird doch wohl noch für den „Nationalstaat“ sein dürfen, wenn man ihn als „aufgeklärten Patriotismus“ umdeutet.

+ Die Alternative zum „Nationalstaat“ ist ein wie auch immer genau gearteter linker „Tribalismus“.

+ Die klassischen Nationalstaaten beruhten ja in Wirklichkeit auf „Mythen“, das müsse man immer kritisch mitbedenken (und „widerlegen“ gleich schnell mal den Mythos der „Homogenität“ mit dem Unsinn, daß „1860 nur 2,5 Prozent der Italiener Italienisch als Alltagssprache benutzten“ – logisch, sie sprachen allesamt regionale Dialekte, was auch sonst?)

+ Der Islamisierung kann nur der Nationalstaat trotzen. Wohl gesprochen, nur ist die Begründung fadenscheinig: die „potenziell integrative Kraft des Nationalstaats“ heißt wohl, daß der Nationalstaat qua Leitkultur und/oder qua Versorgungsleistung die Muslime „integrieren“ könnte, und zersplitterte, „balkanisierte“ Flickenteppiche nicht.

Ein bißchen Nationalstaat ist wie „ein bißchen schwanger“. Das Komplettpaket enthält Paradoxien (die Sellner und Gerlich kürzlich in der sezession gegeneinander in Feld führen durften: Nationalismus ist immer auch ein imperialer Universalismus, Nationalismus ist immer auch ein Tribalismus), das Komplettpaket enthält aber auch Klarheit: nur ein Europa souveräner Nationalstaaten auf der Basis des ius sanguinis sowie des ius solis ist dazu in der Lage, sich zu verteidigen. Und daß es darauf ankommen dürfte, schwant auch den scheinmutigen Nationalliberalen schon.

 

 

 

1. Mai: Klasse statt Masse

Den 1.-Mai-Aufmarsch der sich selbst feiernden SPÖ-Elite konnten wir uns als IB nicht entgehen lassen. Alles in allem nicht sensationell, aber für mich war es die erste Demo nach der gegen den I. Golfkrieg …

Vorher gab’s die Info: Plakate ausdrucken (es gab die Varianten: SPÖ=ISLAMPARTEI, ARBEITERVERRÄTER und darunter die Konterfeis der SPÖ-Gründerväter, und WIR SIND EUCH ÜBER), um dreiviertel 11 vor der Bühne sein, wenn Kanzler Kern spricht, Plakate hochhalten, mehr nicht. Understatement reizt am meisten, besonders, wenn die Erwartungen so hoch liegen.

Leider war eine IB-Gruppe nicht dicht, die österreichische Presse hatte am Vortag schon geargwöhnt, daß „Rechtsextreme die friedliche Maikundgebung stören wollen“. Je nun, ein Stammtischkollege, genauso unerfahren wie ich, und ich fanden uns überpünktlich dort ein, gelangten ganz nach vorn. Banges Warten, ob irgendwer noch kommt … niemand zu sehen. Dann endlich, Minute 5 irgendwas nach Beginn der Kanzlerrede, als er davon sprach, das Wichtigste wäre, daß wir mit der Migration leben müssen, Plakate hoch irgendwo hinter uns, bemerkte mein zum Glück recht großer Begleiter. Ich also auch Plakat hoch, das mit ISLAMPARTEI.

Sofort kam eine holde Antifantin und schubste und zerrte an mir rum, ich solle den Platz verlassen. „Warum, das ist nicht ihr Privatrathausplatz!?“ Dann versuchten ein paar Eumel, mir ihr „Freundschaft“-Plakat vor meines zu halten. „Protestplakate hochhalten darf man doch, schauen Sie mal da hinten!“ (da gab es Plakate der ÖGB-Lehrerinnen-Frauengruppe dagegen, daß sie in „Deutschkursfabriken“ verheizt würden).

Was dann folgte, sieht man in folgendem Video https://www.facebook.com/unzensuriert/videos/10155276166938711/?hc_ref=SEARCH

Der massige Mann ist ein österreichischer Physikprofessor, bekannt aus Funk und Fernsehen, der Physik für jedermann in Volkshochschulvorträgen und auf Plakaten bewirbt und an der Uni Astrophysik lehrt. Ich erkannte ihn sofort. Interessant ist, daß da offenbar jemand hinter mir mit der Kamera voll draufgehalten hat. Der Kommentar auf unzensuriert bringt den zivilen Widerstand gegen rechts auf den Punkt:

Der Vorsitzende des Mauthausen-Komitee kündigte an, „wir als Sozialdemokraten werden auch die notwendige Antwort finden“. Ob damit das rüpelhafte Benehmen Grubers gegenüber Frauen gemeint war, ist nicht bekannt.

Weiter ging’s damit, daß die mutige antifaschistische Platzordnerjugend die Polizei gerufen hat, welche uns abführte auf die Seite, die Ausweise konfiszierte und in unseren Taschen wühlte und vom Kollegen alle IB-Zetterln und von mir die Aufkleber mit „What is universalism to the west, is imperialism to the rest“ (Huntington) beschlagnahmte. Zum Glück hatte ich Nolte, Die faschistischen Bewegungen, im anderen Rucksack. Dann beratschlagte man lange polizeiintern, ob wir wohl „Vorbereitung einer strafrechtlich relevanten Handlung“ oder „Vorbereitung einer strafrechtlich relevanten Drohung“ geplant hätten, das dauerte gut eine Stunde, man führte uns auf die Rathausfreitreppe, da standen wir am Pranger rum, inzwischen noch ein paar weitere Leute. Irgendwann gab es die Ausweise zurück mit dem patscherten Argument, daß jetzt die Veranstaltung ja eh aufgelöst sei. Einer von uns bat noch um polizeiliche Eskorte zur U-Bahn, weil die sozialistischen Mitbürgerinnen sich hinter den Autos versteckt hatten und fotografierten. Kriegten wir, ich hab die Horde dann auf weiträumigen Umwegen mit mehreren Bahnen zum Treffpunkt für danach gelotst.

So ein schöner Tag, H war derweil mit den Knaben im Kunsthistorischen Museum im Münzkabinett.

So feiert man hier zünftig den 1. Mai, mit „Feminismus für alle“, einem dicken Neger mit historischer roter Fahne „Sozialdemokratische Partei Margareten“, und islamischen Klängen per Megaphon und optisch mehr Türken als Österreichern im Aufmarsch. Kommentar eines meiner Kinder: „Mama, du warst eh bei dieser Türkenbelagerung? Die haben wir am Rückweg vom Museum auch gesehen!“